Wie viel Regenwasser liefert ein Gründach?
Ein begrüntes Dach speichert und verdunstet einen Teil des Regens, bevor er überhaupt bis zur Fallleitung kommt. Wie viel am Ende abfließt, hängt vor allem an zwei Baugrößen: der Aufbaudicke des Substrats und der Anstauhöhe darunter.
Dabei wirken drei Effekte unterschiedlich auf den Jahresertrag. Speicherung und Verdunstung mindern ihn dauerhaft: Das Substrat füllt sich bei Regen zunächst wie ein Schwamm, Abfluss setzt erst nach Sättigung ein, und ein Teil des gespeicherten Wassers verdunstet über Substrat und Bepflanzung, statt in der Zisterne anzukommen. Die Verzögerung dagegen mindert nichts – sie streckt den Abfluss nur über Stunden, das Wasser kommt später, nicht in geringerer Menge.
Wie stark der Rückhalt ausfällt, zeigt die Anstauhöhe: Bei vier Zentimetern Anstau lassen sich rund 60 Prozent des Niederschlags über Verdunstung abführen, ohne Anstau nur rund 30 Prozent. Übers Jahr kommen extensive Gründächer laut einer Quelle auf 60 bis 75 Prozent Verdunstungsanteil, eine andere nennt für denselben Dachtyp 40 bis 50 Prozent Jahresrückhalt, und ein Rechenbeispiel für 30 Zentimeter Substratdicke in München kommt für die Vegetationsperiode auf 70 Prozent – ein ortsbezogenes Einzelbeispiel, nicht auf jeden Standort übertragbar. Diese drei Zahlen messen Verschiedenes und lassen sich nicht zu einem Mittelwert verrechnen. Je nach Aufbau und Anstau bleibt grob die Hälfte bis drei Viertel des Jahresniederschlags auf dem Dach.
Für die Zisternenauslegung folgen daraus drei Dinge. Die Sammelfläche muss größer bemessen sein als bei einem Hartdach – wie viel, lässt sich mit dem passenden Abflussbeiwert im Regenwasserertrags-Rechner nachrechnen — die Bandbreite je Aufbaudicke steht in der Tabelle Abflussbeiwerte nach Dach- und Flächenart und fließt von dort in die Zisternengröße ein. Außerdem kommt das Wasser später, nicht nur weniger: Weil der Abfluss erst nach Sättigung des Substrats einsetzt, kann ein kurzer Sommerregen die Zisterne komplett verfehlen, während ein Ziegeldach im selben Moment längst Wasser liefert. Und drittens gilt eher ein Qualitäts- als ein Mengenvorbehalt: Gründachwasser eignet sich für Garten und Toilettenspülung, aber wegen möglicher Huminstoff-Färbung nicht zum Wäschewaschen.