Regenwasserertrag berechnen: Dachfläche & Abflussbeiwert
Berechne deinen jährlichen Regenwasserertrag aus projizierter Dachfläche, Jahresniederschlag, Abflussbeiwert nach Dachart und Filterwirkungsgrad.
Der Rechner beantwortet eine einzige Frage: Wie viele Kubikmeter Regenwasser sammelt dein Dach in einem durchschnittlichen Jahr, nachdem Filter und Speicherüberlauf ihren Anteil abgezogen haben? Vier Eingaben reichen dafür, und jeder Rechenschritt bleibt sichtbar. Die Hintergründe dazu erklärt ausführlich der Ratgeber Regenwasserertrag: Dachfläche und Abflussbeiwert erklärt.
So funktioniert die Regenwasserertrags-Berechnung
Der Ertrag ist eine einzige Multiplikationskette: Dachfläche mal Jahresniederschlag mal Abflussbeiwert mal Filterwirkungsgrad, geteilt durch 1.000 für die Umrechnung von Litern in Kubikmeter. Der Abflussbeiwert hängt von der Dachart ab und kommt aus einem Auswahlfeld; die drei anderen Größen trägst du direkt ein. Am Ende steht die Wassermenge, die realistisch am Zisterneneingang ankommt - nicht die Menge, die theoretisch auf das Dach fällt.
Eingaben
Dachfläche (projiziert/Grundriss) ist die waagerecht projizierte Grundfläche deines Dachs, gemessen von oben - nicht die geneigte, tatsächliche Dachfläche. Das ist eine bewusste Abgrenzung: Der Modulbelegungsrechner von SolarCalc rechnet mit der geneigten Fläche (Dachbreite mal Sparrenlänge), weil dort die tatsächliche Blechfläche für die Modulanzahl zählt. Bei einem geneigten Dach ist die geneigte Fläche größer als die projizierte - wer denselben Zahlenwert in beide Rechner einträgt, bekommt zwei nicht vergleichbare Ergebnisse.
Die Dacheindeckung legt den Abflussbeiwert fest, ohne dass du ihn selbst nachschlagen musst. Geneigte Hartdächer und unbekieste Flachdächer setzen 0,80 an, bekieste Flachdächer 0,60. Bei Gründächern zählt die Substratdicke: Ein extensives Gründach lässt mit 0,50 mehr Wasser abfließen als ein intensives mit dickerem Aufbau (0,30) - wer diese beiden vertauscht, überschätzt den Ertrag eines Intensivgründachs um mehr als die Hälfte. Für Metalldächer gibt es keinen eigenen belegten Wert; der Rechner setzt konservativ den Hartdach-Wert an und weist zusätzlich darauf hin, dass Regenwasser von Zink-, Kupfer- oder Stahldächern Schwermetalle enthalten kann und eine übliche Filterung dafür nicht ausreicht. Was der Abflussbeiwert genau misst, erklärt der Glossareintrag Abflussbeiwert.
Der Jahresniederschlag am Standort ist eine Eingabe, keine automatische Ortsabfrage - dein Standort wird nirgends übertragen. Die Jahressumme für deinen Ort findest du kostenlos im DWD-Klimaatlas (dwd.de/klimaatlas). Der vorbelegte Wert von 800 mm/Jahr ist ein Rechenbeispiel in der Größenordnung des deutschen Mittels, keine bundesweite Kennzahl - trag deinen eigenen Standortwert ein, um ein belastbares Ergebnis zu bekommen.
Der Filterwirkungsgrad ist keine Aussage über die Wasserqualität, sondern eine Mengenbilanz: Er gibt an, welcher Anteil des Bruttoertrags nach Filterverwurf und gelegentlichem Speicherüberlauf tatsächlich in der Zisterne ankommt. 90 % ist ein realistischer Wert ohne Spezialfilter; produktspezifische Filter erreichen laut Herstellerangaben bis zu 98 %.
Ergebnis
Bei 100 m² geneigtem Hartdach, 750 mm Jahresniederschlag und einem Filterwirkungsgrad von 98 % liefert der Rechner 58,8 m³ nutzbaren Ertrag pro Jahr - rechnerisch rund 161 Liter am Tag. Ausgegeben werden beide Zahlen nebeneinander: der Jahreswert als Planungsgröße für die Zisterne, der Tagesdurchschnitt zur Einordnung. Der Tageswert ist eine reine Rechengröße; tatsächlich kommt das Wasser stoßweise bei Regen an, nicht gleichmäßig verteilt.
Rechenweg
Regenwasserertrag [m³/Jahr] = Dachfläche [m²] × Jahresniederschlag [mm/Jahr] × Abflussbeiwert × Filterwirkungsgrad / 1.000
Ein Millimeter Niederschlag auf einem Quadratmeter Dachfläche entspricht exakt einem Liter Wasser - deshalb lassen sich Dachfläche und Niederschlag direkt multiplizieren, und die Division durch 1.000 rechnet Liter in Kubikmeter um. Am Beispiel von oben: 100 m² × 750 mm/Jahr × 0,80 × 0,98 / 1.000 = 58,8 m³/Jahr. Die verwendeten Abflussbeiwerte sind Richtwerte der Fachliteratur zur Regenwassernutzung - mehrere gebräuchliche Quellen berufen sich dabei auf die seit Juli 2022 zurückgezogene DIN 1989-1:2002-04. Sie gelten deshalb als praxisüblicher Richtwert, nicht als aktueller Normwert nach DIN 1989-100.
Grenzen der Rechnung
Der Jahresniederschlag ist ein Mittelwert und glättet saisonale Schwankungen: In einem trockenen Jahr fällt der tatsächliche Ertrag niedriger aus, in einem nassen höher - die Formel rechnet mit dem langjährigen Durchschnitt, nicht mit dem laufenden Jahr. Der eingetragene Wert ist außerdem nur so genau wie deine Quelle; der DWD-Klimaatlas rastert in 1-km-Zellen, lokale Effekte durch Bebauung oder Geländeform bildet er nicht ab. Für Metalldächer fehlt ein eigener belegter Abflussbeiwert - die konservative Hartdach-Näherung kann den tatsächlichen Ertrag unter- oder überschätzen, und die Schwermetallfrage bleibt unabhängig von der Ertragsmenge bestehen. Und: Dieser Rechner ermittelt den Ertrag, nicht die passende Zisterne dazu - wie viel davon tatsächlich genutzt werden kann, hängt zusätzlich vom Brauchwasserbedarf ab.
Weiterrechnen
Der Ertrag ist erst die halbe Rechnung: Wie viel Regenwasser ein Haushalt tatsächlich braucht, ermittelt der Brauchwasserbedarfs-Rechner, und aus Ertrag und Bedarf zusammen ergibt sich anschließend die passende Zisternengröße mit Deckungsanteil.
Quellen
DIN EN 16941-1:2024-05, Vor-Ort-Anlagen für Nicht-Trinkwasser — Teil 1: Regenwasser
Abflussbeiwerte je Dachart (0,30 bis 0,90)
Filterwirkungsgrad 90 %
Häufige Fragen
Welche Rolle spielt der Abflussbeiwert beim Regenwasserertrag?
Der Abflussbeiwert reduziert den theoretischen Niederschlag auf die Wassermenge, die von der Dachfläche tatsächlich abfließt. Ohne ihn würde der Regenwasserertrags-Rechner so tun, als käme jeder Liter Regen am Zisterneneingang an.
Praktisch ist der Wert ein Faktor zwischen 0 und 1. Ein Wert von 0,80 bedeutet: 80 Prozent der rechnerischen Regenmenge werden als Abfluss angesetzt, 20 Prozent bleiben durch Benetzung, Verdunstung, Rückhalt oder Speicherwirkung der Oberfläche außen vor. Harte, glatte Dächer liefern deshalb mehr nutzbaren Ertrag als begrünte oder bekieste Dächer.
Der wichtigste Punkt ist die Dachart-Auswahl. Ein geneigtes Hartdach und ein intensives Gründach können bei gleicher projizierter Fläche und gleichem Jahresniederschlag deutlich verschiedene Erträge liefern, weil das Gründach mehr Wasser zurückhält. Die konkreten Richtwerte im Rechner stammen aus dem Research- und Calculator-Design der WasserTools-Domäne; sie sind als praxisübliche Planungswerte zu verstehen, nicht als aktuelle Normtabelle.
Wenn du den Begriff unabhängig vom Rechner nachlesen willst, steht die kurze Definition im Glossar unter Abflussbeiwert. Für die Ergebniszahl zählt er zusammen mit projizierter Dachfläche, Jahresniederschlag und Filterwirkungsgrad.
Zählt die projizierte oder geneigte Dachfläche für den Ertrag?
Für den Regenwasserertrag zählt die projizierte Grundfläche des Dachs, also die Fläche von oben gesehen. Die geneigte Dachfläche ist für diese Frage zu groß, weil Regen auf die waagerechte Projektion trifft.
Bei einem Flachdach sind beide Werte praktisch gleich. Bei einem Satteldach oder Pultdach ist die geneigte Fläche größer als die projizierte Grundfläche: Sie beschreibt die tatsächliche Fläche der Dachhaut. Für Regenwasser wäre dieser Wert aber die falsche Eingabe, weil dadurch mehr Niederschlag angesetzt würde, als die Dachgrundfläche von oben abbekommt.
Anders ist es bei der Solarplanung. Der SolarCalc-Rechner für die Dachbelegung mit Solarmodulen nutzt die geneigte Fläche, weil dort die reale Modulfläche auf der Dachhaut zählt. Deshalb können zwei Rechner für dasselbe Dach bewusst unterschiedliche Flächenwerte verlangen.
Im Regenwasserertrags-Rechner ist das Feld deshalb als Dachfläche im Grundriss beziehungsweise projizierte Dachfläche gemeint. Wenn du nur Dachbreite und Sparrenlänge kennst, brauchst du für WasserTools nicht die schräge Dachfläche, sondern die Grundrissfläche, die dieses Dach überdeckt. Bei mehreren Dachflächen addierst du die projizierten Teilflächen, soweit sie an die geplante Regenwassernutzung angeschlossen sind.
Wie stark mindert der Filter den nutzbaren Regenwasserertrag?
Der Filter mindert den nutzbaren Regenwasserertrag um den Anteil, der beim Filtern, Spülen oder Überlaufen nicht in der Zisterne landet. Im Regenwasserertrags-Rechner ist das der letzte Faktor der Formel.
Wichtig ist die Abgrenzung: Der Filterwirkungsgrad sagt hier nichts über Trinkwasserqualität oder hygienische Eignung aus. Er beschreibt nur die Mengenbilanz. Ein Wirkungsgrad von 90 Prozent heißt: Von 100 Litern rechnerischem Dachabfluss werden 90 Liter als nutzbarer Zulauf angesetzt, 10 Liter gehen im Filter- und Anlagenbetrieb verloren.
Wie groß der Verlust ist, hängt vom Filtertyp, der Wartung und der Einbausituation ab. Ein einfacher Fallrohrfilter oder ein schlecht gereinigter Vorfilter kann mehr Wasser verwerfen als ein gut dimensioniertes Filtersystem mit günstiger Führung. Produktspezifische Werte gehören deshalb in die Herstellerunterlagen; ohne belastbaren Herstellerwert ist eine konservative Annahme sinnvoller als eine scheinbar genaue Zahl.
Für die Planung ist der Filterverlust vor allem dann relevant, wenn Ertrag und Bedarf knapp beieinander liegen. Bei einer sehr großen Dachfläche fällt ein paar Prozentpunkte Unterschied oft weniger ins Gewicht. Bei kleiner Dachfläche, trockenem Standort oder hoher Nutzung kann derselbe Verlust entscheiden, ob die Zisterne regelmäßig leerläuft.