Pumpe auswählen und auslegen: Schritt für Schritt

Vom Bedarf zur passenden Pumpe: Volumenstrom bestimmen, Förderhöhe berechnen und die richtige Pumpenart wählen – mit Rechner und Pumpenarten-Tabelle.

Eine passende Pumpe findet sich nicht über die größte Literzahl auf dem Karton, sondern über eine feste Reihenfolge: erst die Aufgabe klären, dann Volumenstrom und Förderhöhe ermitteln, den Betriebspunkt gegen die Kennlinie prüfen und erst danach die Bauart wählen. Wer diese Reihenfolge umdreht und zuerst eine Pumpe kauft, rechnet hinterher rückwärts – und merkt oft erst beim Einbau, dass sie nicht passt.

Aufgabe klären

Bei WasserTools kommen vier Ausgangslagen am häufigsten vor: Wasser aus der Zisterne ins Haus fördern, einen vollgelaufenen Keller oder eine Baugrube entwässern, den Garten bewässern oder eine ganze Hauswasserversorgung mit mehreren Zapfstellen aufbauen. Die vier Aufgaben unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten: Wie sauber ist das Wasser, und soll die Pumpe von Hand bedient werden oder selbstständig schalten? Ein vollgelaufener Keller mit Schlamm verlangt einen größeren Feststoffdurchgang als eine Zisterne mit klarem Wasser – welche Bauart dafür passt, klärt die FAQ Welche Pumpe eignet sich für Keller und Entwässerung?; eine Hauswasserversorgung mit Toilettenspülung und Waschmaschine verlangt eine Pumpe, die ohne Zutun anspringt, eine Gartenbewässerung meist nicht. Diese Einordnung steht bewusst am Anfang, weil sie die folgenden Schritte eingrenzt, bevor überhaupt eine Zahl fällt.

Volumenstrom bestimmen

Eine Förderhöhe ergibt erst bei einer bestimmten Wassermenge einen Sinn. Für Haushalt und Zisternenentnahme liefert der Brauchwasserbedarfs-Rechner den Jahresbedarf aus Personenzahl und Nutzungsarten. Für eine einzelne Bewässerungszone im Garten liefert der Bewässerungsbedarfs-Rechner dagegen den Volumenstrom in Litern pro Minute – die Zahl, mit der die Pumpe tatsächlich rechnen muss. Beide Rechner beantworten unterschiedliche Fragen in unterschiedlichen Einheiten; wer den Jahresbedarf direkt als Volumenstrom einsetzt, dimensioniert die Pumpe deutlich falsch.

Förderhöhe abschätzen

Aus Volumenstrom, Höhenunterschied, gewünschtem Fließdruck und Leitungsverlusten ergibt sich die Gesamtförderhöhe. Wie genau sich das rechnet, zeigen der Pumpen-Förderhöhen-Rechner und der Ratgeber Pumpe: Förderhöhe und Betriebspunkt verstehen im Detail – das wird hier nicht wiederholt.

Eine Falle beim Abschätzen lohnt trotzdem einen eigenen Absatz: Steht die Pumpe außerhalb der Wasserquelle und saugt an, zählt die Ansaughöhe zur geodätischen Höhe dazu. Sie ist Teil der Förderhöhe, kein Zuschlag obendrauf – wer 6 m ansaugt und danach noch 20 m fördern will, braucht mindestens 26 m Förderhöhe, nicht 20. Und die Ansaughöhe selbst hat eine physikalische Obergrenze: Rein rechnerisch sind bei Normaldruck maximal 10,33 m möglich; ausgelegt wird real mit 7 bis 7,5 m, weil Dampfdruck, Reibungsverluste und eine Sicherheitsreserve abgehen. Mehr dazu im Glossareintrag Ansaughöhe und Kavitation.

Betriebspunkt gegen die Kennlinie prüfen

Die abgeschätzte Förderhöhe ist noch keine Kaufentscheidung. Sie muss gegen die Kennlinie der ins Auge gefassten Pumpe geprüft werden: Maximale Förderhöhe und maximaler Volumenstrom gelten nie gleichzeitig, eine Pumpe erreicht das eine nur auf Kosten des anderen. Wo genau sich Pumpen- und Anlagenkennlinie schneiden, erklärt der Glossareintrag Betriebspunkt (Kennlinie). Liegt der errechnete Punkt außerhalb der Herstellerkurve, hilft keine stärkere Pumpe derselben Bauart, sondern nur eine andere.

Pumpenart wählen

Erst jetzt lohnt der Blick auf die Bauart. Getaucht arbeitende Pumpen – Klarwasser-Tauchpumpe, Schmutzwasser-/Entwässerungspumpe, Zisternen-Tauchdruckpumpe – stehen im Wasser und drücken, ohne Ansaughöhenproblem. Trocken aufgestellte, selbstansaugende Pumpen – Gartenpumpe, Hauswasserwerk, Hauswasserautomat – saugen über eine Leitung an und unterscheiden sich untereinander weniger in der Hydraulik als in Schaltung und Speicher. Für tiefe Bohr- oder Schlagbrunnen kommt zusätzlich die Tiefbrunnenpumpe infrage, sobald Ansaugen an der genannten Grenze scheitert. Welche Bauart welche Werte mitbringt, steht nebeneinander in der Tabelle Pumpenarten im Vergleich; warum „selbstansaugend” dabei kein Gegensatz zur Kreiselpumpe ist, beantwortet die FAQ Kreiselpumpe oder selbstansaugende Pumpe?.

Eine zweite Zahlenfalle taucht beim Vergleichen von Datenblättern getauchter Druckpumpen auf: Neben der Förderhöhe steht dort oft eine Eintauchtiefe – die zulässige Tiefe unter dem Wasserspiegel. Beide Werte stehen in Metern, haben aber nichts miteinander zu tun und dürfen in keiner Rechnung miteinander vermischt werden.

Geht es bei der Auswahl zusätzlich um mehrere Bewässerungszonen oder die passende Rohrnennweite, führt der Ratgeber Rohrnetz und Bewässerung richtig auslegen weiter, ohne dass die dortige Prüfung hier wiederholt wird.