Zisternengröße richtig bestimmen

Wie Regenwasserertrag, Brauchwasserbedarf, Deckungsgrad und Trockenperiode zusammenspielen - und warum die Zisternengröße eine Bandbreite bleibt.

Eine Zisterne wird nicht aus der Dachfläche allein bestimmt. Sie muss zum Wasser passen, das anfällt, und zu dem Wasser, das tatsächlich gebraucht wird. Der Zisternengrößen-Rechner verbindet deshalb den Regenwasserertrag mit dem Brauchwasserbedarf und zeigt das Ergebnis als Bandbreite mit Deckungsanteil.

Warum Ertrag und Bedarf zusammengehören

Viele Zisternenrechner beginnen mit Dachfläche und Niederschlag und enden bei einer Tankgröße. Das wirkt einfach, lässt aber die zweite Hälfte der Frage offen: Ein großer Ertrag nützt wenig, wenn Haus und Garten nur einen kleinen Teil davon brauchen. Ein hoher Bedarf hilft umgekehrt nicht, wenn das Dach ihn übers Jahr gar nicht liefern kann.

Für die Speichergröße zählt deshalb zuerst der kleinere Jahreswert. Das ist keine Sparregel, sondern eine Plausibilitätsgrenze. Wenn 54 m³ Regenwasser ankommen und 60 m³ gebraucht werden, kann die Anlage rechnerisch höchstens 54 m³ des Bedarfs decken. Wenn 80 m³ ankommen und nur 60 m³ gebraucht werden, bleibt der Bedarf die Grenze - ein größerer Speicher schafft keinen zusätzlichen Verbrauch.

Die beiden Vorwerte sauber übernehmen

Der Ablauf ist absichtlich zweistufig. Erst berechnet der Ertragsrechner, was das Dach im durchschnittlichen Jahr liefert. Dabei zählen projizierte Dachfläche, Jahresniederschlag, Abflussbeiwert nach Dachart und Filterwirkungsgrad. Die Hintergründe erklärt der Ratgeber Regenwasserertrag: Dachfläche und Abflussbeiwert erklärt.

Danach berechnet der Bedarfsrechner, wie viel Regenwasser im Haushalt und im Garten angesetzt wird. WC-Spülung, Waschmaschine, Reinigung und Gartenfläche laufen dort als Richtwerte zusammen. Die Calculator-Engine übergibt keine Ergebnisse von einer Rechnerseite zur nächsten. Für die Zisternengröße musst du die beiden Jahreswerte deshalb manuell kopieren: Ertrag in annualYieldM3, Bedarf in annualDemandM3.

Bandbreite statt Scheinpräzision

Der Rechner arbeitet mit zwei Bemessungswegen. Der erste nimmt 6 % des kleineren Jahreswerts als Speicheruntergrenze. Der zweite rechnet aus, wie viel Wasser während einer angenommenen Trockenperiode von 21 bis 28 Tagen gebraucht wird. Mathematisch liegen beide Wege nah beieinander: 6 % eines Jahres entsprechen 21,9 Tagen.

Genau deshalb wäre eine Tankgröße mit zwei Nachkommastellen irreführend. Die Eingaben sind Jahresmittel und Richtwerte; die Trockenperiode ist eine Annahme. Sinnvoll ist eine Spanne: untere Grenze, obere Grenze und ein Mittelwert als Orientierung. In der Praxis wird danach ein handelsübliches Nennvolumen gewählt, das zum Nutzvolumen, zur Einbausituation und zu Überlauf/Pumpenrestwasser passt.

Deckungsgrad richtig lesen

Der Deckungsgrad zeigt, welcher Anteil des angesetzten Bedarfs rechnerisch durch Regenwasser gedeckt werden kann. Bei 54 m³ Ertrag und 59,9 m³ Bedarf liegt er bei rund 90 %. Das ist eine Jahresbilanz, keine Versorgungsgarantie für jede Woche. Nach mehreren trockenen Wochen kann eine Anlage mit hohem Jahresdeckungsgrad trotzdem leer sein; nach einer Regenphase kann ein kleinerer Speicher wieder voll stehen.

Einen allgemein belegten Zielwert für einen „guten” Deckungsgrad setzt diese Seite nicht. Dafür unterscheiden sich Nutzung, Standort und Einbauziel zu stark. Ein Gartenanschluss darf eher zeitweise leerfallen als eine Regenwassernutzung für WC und Waschmaschine im Haus. Der Wert ist deshalb eine Kontrollzahl: Er zeigt, ob Ertrag und Bedarf grob zusammenpassen.

Nutzvolumen, Nennvolumen und Tankwahl

Der Rechner gibt Nutzvolumen aus. Das ist der Teil des Tanks, der für die Nutzung tatsächlich verfügbar ist. Das Nennvolumen des Produkts kann darüber liegen, weil ein Tank freien Raum für Zulauf, Überlauf und Sedimentzone braucht und die Pumpe nicht bis zum letzten Liter saugt. Ohne belegten, allgemein gültigen Faktor wäre eine pauschale Umrechnung unseriös; sie hängt vom Tanktyp, Einbau und Pumpenentnahme ab.

Erdtank oder Kellertank ist damit noch nicht entschieden. Ein Erdtank spart Kellerfläche und liegt frostgeschützt im Boden, braucht aber Aushub, Tragfähigkeit und einen passenden Überlauf. Ein Kellertank ist zugänglicher und oft modular, belegt aber Innenraum und passt nicht in jede Bestandssituation. Die Speichergröße ist nur der erste Filter, nicht die komplette Produktentscheidung.

Was die Rechnung nicht entscheidet

Die Rechnung bildet keine Monatsverteilung ab und kennt keine Wetterfolge. Sie sagt auch nichts über Wasserqualität, Trinkwassernachspeisung oder die Ausführung der Hausinstallation. Sobald Regenwasser ins Haus geführt wird, gelten getrennte Trink- und Brauchwassernetze, Kennzeichnung der Entnahmestellen und eine sichere Nachspeisung über freien Auslauf. Diese Punkte gehören in die Fachplanung und nicht in eine reine Größenformel.

Auch Genehmigungs- und Satzungsfragen bleiben außen vor. Manche Kommunen behandeln Rückhaltung, Versickerung, Überlauf und Gebühren anders. Diese Seite rechnet die technische Größenordnung; die verbindliche Ausführung gehört mit Fachbetrieb und zuständiger Stelle geklärt.

Nächster Schritt: Pumpe statt größere Zisterne

Ist die Speichergröße plausibel, wird die Pumpe zur eigentlichen Auslegungsfrage. Für Gartenbewässerung oder Hauswasserwerk reicht die Literleistung auf dem Karton nicht aus. Entscheidend sind Förderhöhe, gewünschter Fließdruck und Druckverlust in der Leitung. Der Pumpen-Förderhöhen-Rechner schließt deshalb hier sichtbar an; ohne diesen Schritt würde WasserTools denselben Fehler machen wie isolierte Zisternenrechner.

Quellen

  • DIN EN 16941-1:2024-05 — Vor-Ort-Anlagen für Nicht-Trinkwasser, Teil 1: Regenwasser

    DIN MediaNormAnhang A.2.1 beschreibt den vereinfachten Ansatz mit jährlichem Zeitschritt — genau das Jahresbilanz-Verfahren, das die Rechner dieses Portals umsetzen. Der Normtext ist kostenpflichtig; die verlinkte Seite weist die Norm nach, gibt sie aber nicht wieder.Abruf: 29.08.2026

  • DIN 1989-100:2022-07 — Regenwassernutzungsanlagen, Teil 100

    DIN MediaNormDie einschlägige Norm für Planung, Bau und Betrieb von Regenwassernutzungsanlagen, einschließlich der Anforderungen an die Trennung von Trinkwasser- und Betriebswassernetz. Kostenpflichtig; die verlinkte Seite weist sie nach.Abruf: 29.08.2026

  • Niederschlag — vieljährige Mittelwerte 1991–2020

    Deutscher Wetterdienst (DWD)PrimärquelleAmtliche Jahresniederschlagshöhen je Station. Der bundesweite Mittelwert taugt nur als Platzhalter: Zwischen niederschlagsarmen Regionen und dem Alpenrand liegt mehr als ein Faktor zwei, und genau dieser Wert bestimmt den Zisternenertrag.Abruf: 29.08.2026